2018 – Heiko Gesierich

Vom „Puffifahrer” zum Kavalier der Lüfte – Heiko Gesierich

Leidenschaftlicher Segelflieger und Vizepräsident des Deutschen Aero-Clubs Landesverband Niedersachsen zum 52. „Kavalier der Lüfte“ ernannt

Hude. Am zurückliegenden Freitag begrüßte Dr. med. Peter Krupp ca. 60 Piloten und Freunde der Fliegerei zum traditionellen Fliegerabend in Hude. Besondere Grüße gingen diesmal auch an anwesende Familienangehörige von Gerd Achgelis (Stifter des Wanderpreises), Günter Bertram vom DAC und an den 95-Jährigen Hans-Ulrich Gaserow, der eigens aus seinem Wohnort auf Mallorca angereist war.

Die Veranstaltung fand, wie schon im letzten Jahr, in Burgdorfs Hotel statt. Alljährlich wird im Rahmen dieser Veranstaltung eine Person, die sich in der Sportfliegerei verdient gemacht hat, mit der Ernennung zum „Kavalier der Lüfte“ geehrt. Dem jeweiligen Kavalier der Lüfte wird der vom berühmten Kunstflieger und Flugzeugbauingenieur Gerd Achgelis (*16. Juli 1908 in Golzwarden, † 18. Mai 1991 in Hude) gestiftete Wanderpreis „Huder Mönch“ überreicht.

Empfänger dieser in Fliegerkreisen geschätzten Auszeichnung ist in diesem Jahr Heiko Gesierich.

Kavalier der Lüfte - Hude - Luftsport - Tradition - Gerd Achgelis Preis

Heiko Gesierich, der frischgewählte Kavalier der Lüfte 2018 im Cockpit. Foto: Bianca Gesierich.

In seiner Laudatio erklärte Flugkapitän Norbert Lautner:
„Dem diesjährigen Kavalier der Lüfte wurde das Fliegen geradezu in die Wiege gelegt. Sein Vater, selbst ein passionierter Segelflieger, nahm ihn von Kleinkindesbeinen an immer wieder mit zur „Großen Höhe”, wo er den Segelflug als einen  selbstverständlichen Teil des Lebens betrachten lernte.

Schon als Vierjähriger saß er mit im Flugzeug und konnte es über die in der Jugend so endlos erscheinenden Jahre nicht erwarten, endlich selber die Hand an den Steuerknüppel zu bekommen. Schon seit dem 1. 3. 1978 ist er Mitglied im DAeC Landesverband Niedersachsen. Er fieberte seinem 14. Geburtstag entgegen, in dessen Anschluss er dann endlich mit der Segelflugausbildung beginnen konnte. So erwarb er zum frühestmöglichen Zeitpunkt den Luftfahrerschein für Segelflugzeug-führer und wurde mit jungen 22 Lebensjahren schon Fluglehrer für den Segelflug im Landesverband Niedersachsen.

Die Zeit bis zum ersehnten Beginn der Segelflugausbildung füllte er aus als sogenannter „Puffifahrer (1)“ und als Helfer in allen Bereichen des Segelflugbetriebes.

Seine Schulung hat Heiko Gesierich auf den Segelflugmodellen Ka8 und Ka6, die er sehr geliebt hat, vollbracht. (lt. Wikipedia: Die Ka 6, Erstflug im Jahr 1955; Produktionszeit von 1955–1970, insbesondere das Muster Ka 6E, stellt den Höhepunkt und das Ende in der Entwicklung von Segelflugzeugen in reiner Holzbauweise bei der Firma Schleicher dar. Sie wurde als einsitziges Hochleistungssegelflugzeug entwickelt und befindet sich noch immer im Einsatz. Die Ka 6 bekam den Beinamen Rhönsegler).
Unser Kavalier nahm an vielen Wettbewerben teil unter anderem in Österreich und Spanien. Zu den Leistungsflugzeugen, die von ihm dabei bewegt wurden, zählen der Phoebus, DG 100 und ganz besonders der Janus. Den Leistungssegelflug hat er mittlerweile für die Arbeit im DAeC Landesverband hintenangestellt, ist aber im Norden Niedersachsens weiterhin mit dem Reisemotorsegler viel unterwegs. Heiko Geseirich ist auf dem Segelfluggelände groß geworden und er ist ein leidenschaftlicher Segelflieger aber er schmäht nicht die Motorfliegerei und dementsprechend hat er auch die Lizenz für Motorsegler gemacht.
Neben den echten TMG (Touring Motor Glider) wie Samburo, Taifun und Dimona hat er auch Segelflugzeuge mit Hilfsantrieb wie PIK 2oE und DG 800 bewegt. Auf der „Küstenklatschwelle” war zu hören, dass er selbst die Bundeswehr mit seinen fliegerischen Künsten auf dem TMG begeistern konnte und sich als Obergefreiter damit Vorteile und Ansehen erarbeitete.“

 

Kavalier der Lüfte - Hude - Luftsport - Tradition - Gerd Achgelis Preis

Aufnahme: V.l.n.r. Heinz-Dieter Bonsmann, Norbert Lautner, Heiko Gesierich (Kavalier der Lüfte), Dr. med. Peter Krupp und Horst Rüdiger. Foto: Fred Vosteen

Und weiter in der Laudatio:
„Unermüdlich bringt sich der Kavalier der Lüfte 2018 im Rahmen der Verbandsarbeit in der Luftraumarbeit ein. Seit Ende des letzten Jahrtausends ist er der niedersächsische Vertreter im Luftraumausschuss. Seine Kontakte in die DFS (Deutsche Flugsicherung) Niederlassung Bremen sind sehr gut und belastbar. Das wird unterstrichen durch die im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Fluglehrerauffrischungsseminare, die in den Räumlichkeiten der DFS stattfinden. Mitglied der Segelflugkommission des LVN ist er gefühlt eine Ewigkeit. Bei der Beschaffung der Förderflugzeuge Discus 2b und neuerdings ASK 21 konnte er seine ganze berufliche Erfahrung als Vertriebsmann zum Wohle der Segelflieger einbringen.

Seit 2008 ist der heute 51-Jährige Heiko Gesierich zusätzlich Vizepräsident des Deutschen Aero Club LVN. Er begleitet und unterstützt die Präsidentin des LVN bei manchem schweren Gang in die Gremiensitzungen und hat sich dabei durch seine klare Sprache Gehör verschafft“.

Zum Höhepunkt des Abends bekam Heiko Gesierich die Silbertrophäe, in die sein Name eingraviert ist, als Wanderpreis überreicht. Zur Erinnerung an diese Ehrung erhielt er aus der Hand des „Kavaliers der Lüfte“ des Jahres 2014, Heinz-Dieter Bonsmann, der noch die legendäre Junkers JU 52 (Tante JU) eigenhändig geflogen hat, eine Junkers Uhr, Serie Cockpit JU 52, einen schönen Flieger-Chronographen mit der Inschrift „Kavalier der Lüfte 2018“.

Schon zur festen Tradition der Fliegertreffen zählen die Gastvorträge über Themen aus der Luftfahrt. An diesem Abend referierte der Historiker und Gastreferent Karl-Heinz Knief über „Geheime Rüstungsprojekte der Fa. Focke-Achgelis-Werke in den Jahren 1939-1945 an Produktionsstandorten in Norddeutschland. Karl-Heinz Knief hat in seinem Vortrag anhand von zahlreichen Dokumenten, Bildern und Protokollen von Zeitzeugenaussagen Projekte aus dem Bereich Raketentechnik sowie Hubschrauber-Entwicklung erläutert. Knief, der seine Nachforschungen weiter fortsetzen möchte, sagt bereits heute, dass in Delmenhorst Luftfahrtgeschichte geschrieben wurde.

(1) (Der „Puffifahrer“ schleppt mit einem Fahrzeug Segelflugzeuge am Boden zum oder vom Einsatz, zieht das Windenseil aus und übernimmt Boten- und Fahrdienste jeglicher erforderlicher Art im laufenden Segelflugbetrieb).

2017 – Joe Rimensberger

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…

Schweizer Luftfahrthistoriker und Luft-Luft Fotograf Joe Rimensberger ist der 51. Kavalier der Lüfte

von links: Dr. med. Peter Krupp, Joe Rimensberger, Norbert Lautner und Horst Rüdiger

Hude. Auf dem traditionellen Fliegerabend „Kavalier der Lüfte” am zurückliegenden Freitag konnte Dr. med. Peter Krupp ca. 60 Piloten und Freunde des Luftsports im  Huder „Burgdorfs Hotel & Restaurant” begrüßen.

Als geladener Ehrengast sagte der Bürgermeister der Gemeinde Hude Holger Lebedinzew: „Er selbst habe eine besondere Nähe zur Luftfahrt, weil sein Sohn Jonas die Ausbildung bei der Lufthansa zum Nachwuchsflugzeugführer erfolgreich absolviert habe. Hart ins Gericht dagegen ging der Bürgermeister mit den zunehmenden Attacken mit Laserpointern gegen die Cockpitmitarbeiter. Völlig unverständlich sei ihm, wie es möglich sei, dass in Deutschlanfd jedermann sich eine Flugdrohne zulegen könne und diese auch benutzen dürfe. Hier werde ein neues unkontrollierbares Sicherheitsrisiko für den Luftverkehr billigend in Kauf genommen. Abschließend sagte Holger Lebedinzew, er hoffe sehr, dass hier in absehbarer Zeit durch einschlägige Gesetze die erforderlichen Nutzugsverbote geregelt werden.

Im Mittelpunkt des Luftsporttreffens 2017 stand die Verleihung des begehrten Wanderpreises „Kavalier der Lüfte“. Dieser Preis wurde im Jahr 1967 vom legendären Huder Kunstflieger Gerd Achgelis  (* 16. Juli 1908 in Golzwarden, Großherzogtum Oldenburg; † 18. Mai 1991 in Hude) gestiftet.

Ehrengast und Vortragender auf dem diesjährigen Fliegerabend war der 85-Jährige Joe Rimensberger aus der Schweiz. Mittels einer Powerpoint-Präsentation übernahm „Joe” die Regie am Pult.

„Im Sommer 1939, jeden Tag zur selben Zeit, flog ein großes silbernes, donnerndes, zweimotoriges Flugzeug unweit vom Elternhaus, westlich von Lausanne, vorbei. Dann erfuhr ich, dass es eine der legendären DC-2 – vielleicht aber auch eine sehr ähnliche DC-3 – der Swiss Air Lines war. Diese Erscheinung könnte wohl am Ursprung meiner Leidenschaft zur Fliegerei gewesen sein.“

Mit diesen Worten eröffnete Paul Josef (Joe) Rimensberger seinen Bildvortrag, den er im Hotel Burgdorf in Hude anlässlich der Verleihung des Ehrenwanderpreises „Huder Mönch“ an einen „Kavalier der Lüfte“ hielt.

Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte: Er war aus der Schweiz angereist, um selbst die Ehrung zu erfahren und als 51. „Kavalier der Lüfte“ mit dem im Jahre 1967 von Gerd Achgelis gestifteten Preis ausgezeichnet zu werden. Die Mitglieder des Verleihungsausschusses erklärten: Joe Rimensberger ist ein außerordentlich liebenswürdiger Mensch. Aber was ihn besonders als einen „Kavalier der Lüfte“ qualifiziert, ist seine Leidenschaft, mit der er kunstvoll Flugzeuge ins Bild setzt und das aus ganz ideellen Beweggründen.

Joe Rimensberger wurde 1932 in der Nähe von St. Gallen in der Ostschweiz geboren und wuchs am See Léman bei Lausanne auf. Als er als Junge dann immer wieder fasziniert den donnernden „Silbervögeln“ nachschaute, die von Zürich–Dübendorf aus im langen Endanflug auf Genf-Cointrin flogen, war ihm gewiss, dass Flugzeuge einmal einen Teil seines Lebens ausmachen würden. Das erfüllte sich schon bald darin, dass er zuerst mit der Voigtländer Kamera seines Vaters auf schwarz-weiß Rollfilm und später mit der 35mm Kodak Retina Reflex alle vom Boden aus erreichbaren Flugzeuge ablichtete. So wurde Joe Motivjäger in Sachen Flugzeuge. Nach dem Abitur stand am Anfang seines Berufslebens aber erst einmal die Aufgabe eines und Theater- und Verlagsangestellten. Später im Jahr 1956 wechselte er dann zur Fotoindustrie Kodak Schweiz, was ihm die Grundlagen für seine Leidenschaft, Flugzeuge zu fotografieren, optimierte. Er verbrachte unzählige Stunden auf den Vorfeldern von Flugplätzen, um alles zu fotografieren, was sich in die Luft erheben konnte. In den frühen Zeiten seiner Passion genügte ein Anruf bei den Flughafenaufsichten und Joe durfte seiner Leidenschaft nachgehen. Als dann später als Folge von sich zugetragenen Flugzeugentführungen die Sicherheitsbestimmungen immer schärfer wurden, war es nicht mehr so einfach, den Zugang zu Flughäfen zu bekommen. Diese neue Situation lenkte „Joes” Interesse auf fliegerische Aktivitäten von klassischen Fluggeräten, die von Museen und privaten Sammlern in mühsamer Arbeit restauriert und flugtüchtig erhalten und auf Flugtagen vorgeführt werden und bei der Produktion von Spielfilmen zum Einsatz kommen. Daraus ergab sich für ihn eine Vielzahl von Gelegenheiten, Kontakte und Freundschaften zu Besitzern, Fliegern und Mechanikern solcher Maschinen aufzubauen und diese aus nächster Nähe zu betrachten, aber eben immer noch nur vom Boden aus.

Aber dann, an einem heißen Sommertag im Jahr 1981, erfreute sich Joe Rimensberger der Gelegenheit, in einem Flugzeug Platz zu nehmen, um aus der Luft seine ersten Aufnahmen eines fliegenden Flugzeuges zu machen. Die Maschine, aus der heraus er fotografierte, war eine De Havilland DH-60GIII Moth Major, stationiert in Lausanne-La Blécherette, die in Formation mit einer Tiger Moth flog. Seither all die Jahre hindurch machte „Joe” unzählige Fotos von fliegenden Flugzeugen vom Flugzeug aus und wenn sich die Gelegenheit bietet, klettert er noch heute, inzwischen mit digitaler Kamera bewaffnet, in ein Flugzeug, um dieser Leidenschaft zu frönen. All die Bekanntschaften und Freundschaften, die er auf Flugfeldern in ganz Europa angebahnt hatte und seine Sprachkenntnisse in Deutsch, Schweizer Deutsch, Englisch und Französisch, kamen ihm dabei zugute. Mehr als 900 Stunden verbrachte „Joe” im offenen Doppeldecker, in zum Fotografieren präparierten Kabinenflugzeug oder – bei ausgebautem Heckfenster – im Heck der Rockwell QV-10 Bronco angeschnallt, um die zum Teil atemberaubenden Aufnahmen von Flugzeugen aller Art zu machen, die seiner Kamera von den besten der guten Piloten im Flug präsentiert wurden. So entstanden unzählige schöner Aufnahmen, von denen so manche einen Platz in Luftfahrtmagazinen, in Kalendern oder sonstigen Publikationen gefunden haben. Die Triebfedern seines Werkes aber sind sein Idealismus und seine Leidenschaft für Fluggeräte. In diesem Sinne freut er sich besonders darauf, den Nachlass an Bild- und Filmaufnahmen von Gerd Achgelis in die Hand zu bekommen, um diesem einen weiteren Platz in den Archiven der Luftfahrtgeschichte zu sichern.

Es waren beeindruckende Aufnahmen aus mehr als 70 Jahren der Luftfahrtgeschichte, kommentiert mit charmantem schweizer Akzent, die Rimensberger als Motivjäger in Sachen Flugzeuge bekannt gemacht haben. Joe Rimensberger sagte: „Manche Aufnahmen kamen erst nach jahrelanger Vorbereitungszeit und manchmal auch viel Überredungskunst zustande. Ich musste über Funk oder per Handzeichen aus meiner Maschine eine Formation aufbauen oder mal eben im Messerflug mehrmals über das zu fotografierende Motiv hinwegfliegen”.

Ein tosender Applaus der Gäste im Saal war am Ende der Präsentation der Lohn für den einzigartigen Ausflug in die bebilderte Luftfahrgeschichte.

Norbert Lautner, Lufthansa Kapitän und „50. Kavalier der Lüfte” aus dem Jahre 2016 sagte: „Kennengelernt habe ich „Joe” als bescheidenen, sich im Hintergrund haltenden Menschen, in Rechlin beim Formationstraining der Berlinstiftung. Ich kenne ihn als furchtlosen Mitflieger beim Formationstraining im engsten Verbandsflug ebenso wie durch seine verwegenen Aufnahmen aus einer offenen Jak 52 bei extremen Wetter.

Norber Lautner führte weiter aus: „Neben seiner außergewöhnlich liebenswerten und verbindlichen Art zeigt er eine unermüdliche Leidenschaft für das kunstvoll in Szene setzen von Luftfahrtzeugen. Mittlerweile ist er auch ein anerkannter Luftfahrthistoriker, der uns angeboten hat, den Bildnachlass von Gerd Achgelis zu sichten und zu sichern”. Diese besonderen Werte waren für den Ausschuss richtungsweisend in diesem Jahr die Auszeichung „Kavalier der Lüfte” an Joe Rimensberger zu vergeben.

Mit diesen Worten übereichten die Mitglieder des Ausschusses Dr. med. Peter Krupp, Norbert Lautner und Horst Rüdiger diese besondere Auszeichnung in Form eines geprägten Silbertellers an Rimensberger aus der Schweiz.

von links: Dr. med. Peter Krupp, Joe Rimensberger, Norbert Lautner und Horst Rüdiger

Keine 12 Stunden später sitzen wir, Norbert Lautner, Horst Rüdiger und Fred Vosteen mit Joe Rimensberger im Cockpit einer Bonanza Beech 35 (Baujahr 1956) von Ganderkesee nach Diepholz, um hier einen Vortrag unseres gemeinsamen 94-Jährigen Fliegerkameraden Hans-Ulrich Gaserow aus Mallorca zu verfolgen.

Natürlich hält „Joe” auch dieses Ereignis mit seiner Kamera fest und er sagt: „Meine Kameraden aus der Schweiz sind schon recht neugierig auf die Fotos aus Norddeutschland”.

Text und Fotos: Fred Vosteen

 

2016 – Norbert Lautner

Zum 50. „Kavalier der Lüfte“ ausgezeichnet wurde Norbert Lautner, begeisterter Modellflieger, Segelflieger, Fluglehrer und Flugkapitän auf Boeing 747 bei Lufthansa – „wegen seiner Liebe zu allem, was irgendwie fliegt“, wie der Laudator erklärte. Das Silbertablett mit den eingravierten 52 Namen wird fortan nicht mehr wandern, sondern bleibt in den Händen von Norbert Lautner, weil es keinen Raum für weitere Namen hergibt. Eine neue Silbertrophäe, nach Gestalt der von Gerd Achgelis gestifteten, wird die Namen der zukünftigen „Kavaliere der Lüfte“ tragen.

Norbert Lautner (Mitte) erhält am 14. 10. 2016 als 50. „Kavalier der Lüfte“ aus den Händen von Horst Rüdiger (l) und Dr. med. Peter Krupp den Pokal. Foto: Fred Vosteen

Flugkapitän der Deutschen Lufthansa wird 50. „Kavalier der Lüfte”
Von Gerd Achgelis gestifteter Wanderpreis geht an Norbert Lautner aus Hude

Vielstedt Auf dem traditionellen Fliegerabend „Kavalier der Lüfte” am zurückliegenden Freitag konnte Dr. med. Peter Krupp, mehr als 40 Piloten und Freunde des Luftsports im „Vielstedter Bauernhaus” in Hude begrüßen.

Horst Rüdiger, Mitglied des Verleihungsausschusses, sagt zur Wahl von Norbert Lautner: „Sein beruflicher Werdegang ist durchaus erwähnenswert. Vorgeschlagen zur Ehrung haben wir unseren neuen „Kavalier der Lüfte” besonders aber wegen seiner Liebe zu allem, was irgendwie fliegt, wegen seiner Kameradschaftlichkeit und seinem unermüdlichen, vielseitigen Bemühen für die allgemeine und kleine Fliegerei.

In den von Gerd Achgelis aufgestellten Statuten steht zu lesen: „Dieser Preis wird gestiftet, um die fliegerische Moral und Disziplin zu fördern und zu erhalten”… „Die für die Ehrung in Aussicht genommene Persönlichkeit soll charakterlich und kameradschaftlich qualifiziert sein”. Alle diese hohen Eigenschaften verbinden wir mit dem neuen „Kavalier der Lüfte” 2016, Norbert Lautner.

Der frischgebackene „Kavalier der Lüfte” Norbert Lautner sagt: „Eigentlich wollte ich Schiffskapitän werden, wie die meisten fränkischen Jungs zu meiner Zeit. Allerdings lebten wir neben dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr, und im „Kalten Krieg” flogen da jede Menge F-86, G-91, Hunter und Starfighter im Tiefstflug durch die Gegend. Für uns Vorschulkinder war es das Größte, den Piloten im Cockpit zu erkennen”.

Noch vor Norberts Einschulung war es ein Modellflugzeug auf einer benachbarten Wiese, das sein großes Interesse weckte. Schon bald wurde aus dem treuen Zuschauer Norbert ein begeisterter Modellflugzeug-Bastler und Modellflieger.

Norbert Lautner im Cockpit der restaurierten Beech Bonanza auf dem Flugplatz Ganderkesee (2016). Foto: Fred Vosteen

Ein großer Förderer meiner Fliegerleidenschaft war mein Vater, erinnert sich Norbert Lautner. Als ich 15 wurde, machte er mir dann den Vorschlag, mir das Segelfliegen zu ermöglichen, wenn ich dafür die Finger von Kleinkrafträdern ließe. Ich radelte fortan jedes Wochenende vom Wohnhaus meiner Eltern zum 10 km entfernten Zipser Berg (der Zipser Berg ist ein 552 m hoher Berg der Fränkischen Alb im Stadtgebiet von Pegnitz im Landkreis Bayreuth, Bayern), um vielleicht einen oder zwei Starts am Wochenende zu bekommen. Unter der Woche ging‘s oftmals auch dorthin, denn es mussten mindestens 100 Baustunden geleistet werden. Um mein Hobby finanzieren zu können, habe ich oft meine kompletten Sommerferien auf Baustellen verbracht, erinnert sich Norbert Lautner.

Nach Ende der Schule meldete sich Norbert Lautner 1981 zur Luftwaffe. In dieser Zeit, 1983, heiratete Norbert Lautner seine Frau Birgit. Mit Stolz sagt Norbert Lautner: „Sie war fortan immer an meiner Seite und wurde mein bester und treuester Copilot”.

Nach der Auswahlschulung auf Piaggio P 149 ging es dann bis 1985 in die fliegerische Grundausbildung nach Amerika. In Bergstrom Air Force Base bei Austin wurde ich dann auf mein Wunschmuster RF-4E Phantom geschult, erinnert sich Norbert Lautner.

1989 musste er dann auf den Tornado umschulen, der wegen seiner Tragflächenverstellung scherzhaft auch „Klappdrachen” genannt wird. Alles funktionierte nur noch elektrisch, und vorbei war die Zeit, in der man für die Navigation nur Kompass, Uhr und Karte brauchte, sagt Norbert Lautner.

Die Veränderungen bei der Luftwaffe, besonders aber das Muster Tornado haben in erheblichem Maße zu Lautners Entschluss beigetragen, der Luftwaffe den Rücken zu kehren und zur Lufthansa zu wechseln. Ende 1991 kam er dann an die Verkehrsfliegerschule in Bremen. Hier wurde Norbert Lautner zuerst als Fluglehrer für die zukünftigen Bundeswehr Transportflieger auf Beech Bonanza eingesetzt und dann später auf der Piper Cheyenne für das Fortgeschrittenentraining angehender Lufthansa-Piloten.

Zu dieser Zeit ließ er sich mit seiner Familie im neu errichteten Eigenheim in Hude nieder.

 

Luftaufnahme: Norbert Lautner im Cockpit der restaurierten Beech Bonanza im Flug über Mecklenburg-Vorpommern. Foto: (c) Joe Rimensberger (Schweiz)

Lautner erinnert sich an eine Begegnung mit total flugbegeisterten Menschen des Luftsportvereins Hude (LSV-Hude), die eine alte Beech Bonanza, Baujahr 1956, restaurieren und grundüberholen wollten. Er beteiligte sich natürlich auch an den Restaurierungsarbeiten und wurde so Mitbesitzer des Flugzeuges. Der Wiedereinstieg in den Segelflug war für den jungen Flugzeugführer bereits vorbestimmt und bald übernahm Norbert Lautner ehrenamtliche Funktionen, wie Vereins-Vorsitz und Ausbildungsleiter beim LSV-Hude.

Damit aber noch nicht genug für Norbert Lautner, den Flieger aus Leidenschaft. Als er gefragt wurde, ob er für zwei Wochen im Jahr fliegerische Jugendarbeit an der Jugendbildungsstätte Theodor Wüppermann in Juist machen würde, gab es nicht die geringsten Zweifel an einer Zusage. Lautner sagt: „Auch heute noch investiere ich dafür zwei Wochen meines Urlaubs. Es ist eine schöne Aufgabe, Jugendliche aus der deutschen und europäischen Industrie mit Hilfe von Erlebnispädagogik fachlich und charakterlich merklich vorwärts zu bringen und ihre Handlungskompetenz zu steigern.

Bei der Lufthansa ging es dann 1996 als F/O (F/O ist der Erste Offizier bzw. Kopilot) auf den Airbus A-300.

Von nun an flog Norbert Lautner parallel als Linienpilot und Fluglehrer und er sagt: „Es war eine tolle Zeit. Wir flogen die ganzen fliegerisch anspruchsvollen Ziele an, wie Asmara, Addis Abeba, Accra oder Aden. In den ehemaligen GUS Staaten Usbekistan, Kasachstan oder Ashgabat habe ich in meiner Freizeit unzählige Bergabenteuer erlebt”.

Im Jahr 2003 ging es nach weiterer Ausbildung für Lautner auf die MD-11; in Fliegerkreisen ein sehr anspruchsvolles Flugzeug. Die Mühen wurden mit so tollen Erlebnissen, wie einen Weltumrunder in 14 Tagen, belohnt, oder fünf Tage frei in Fairbanks, welche ich entweder zum Wandern oder Skifahren nutzte, schwärmt auch heute noch Norbert Lautner von diesen Flügen. 2005 ging es dann ins Kapitänstraining auf Boeing 737.

Auf dem Zenit seines Könnens scheute der heutige „Kavalier der Lüfte” kaum eine fliegerische Herausforderung. Als im Frühjahr 2010 der isländische Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen seine Aschewolken über der nördlichen Hemisphäre verbreitete, wurde der gesamte kontrollierte Luftverkehr eingestellt. Ein schwerkranker Patient benötigte zum Überleben dringendst eine Blutstammzellenspende. Ein Spender war ausgemacht in Cardiff in Wales, aber ein schneller Transport mit einer Linienmaschine war nicht möglich. Spontan sprang Norbert Lautner ein und unternahm mit der Bonanza einen VFR-Flug (einen VFR-Flug bezeichnet man als einen Flug, der vom Piloten nach den hierfür gültigen Sichtflugregeln, englisch visual flight rules, durchgeführt wird) nach Cardiff, um die für den Patienten überlebensnotwenige Fracht dort abzuholen. Die Presse berichtete damals ausführlich darüber.

Aus der Sicht von Norbert Lautner zählt die B737, die bei den Fliegern den Spitznamen „Bobby” trägt, mit zu besten Flugzeugmustern, die er auf seiner langen Laufbahn fliegen durfte. Der Modernisierung der Lufthansaflotte geschuldet musste sich Norbert Lautner von seinem „Bobby” verabschieden. Fortan durfte Norbert Lautner den Airbus A320 fliegen. Doch der Ausflug mit dem A320 war nur von kurzer Dauer, denn aktuell befindet sich der neue „Kavalier der Lüfte” bereits wieder mitten in einer Ausbildung auf dem „Jumbo”, Boeing 747. Großes Lob und Anerkennung aus dem Kreis seiner Fliegerkameraden schlägt dem neuen „50. Kavalier der Lüfte” und Flieger aus Leidenschaft Norbert Lautner entgegen.

 

 

 

2015 – Johann Twietmeyer

Johann Twietmeyer wird zum „Kavalier der Lüfte” gewählt
Mit 75 Jahren noch einmal zurück ins Cockpit

Am zurückliegenden Freitag konnte Dr. med. Peter Krupp rund 50 Piloten und Freunde des Luftsports auf dem 49. Fliegerabend im „Vielstedter Bauernhaus” in Hude begrüßen.

49. Kavalier der Lüfte v.l.n.r.: Horst Rüdiger, Johann Twietmeyer und Dr. med. Peter Krupp. Foto: Fred Vosteen

Auf einem Bauernhof in Delmenhorst, in der Nähe der Focke-Achgelis-Werke, wuchs Johann Twietmeyer auf, der in den 20er und 30er Jahren immer wieder fasziniert beobachtete, wie von diesen Betriebsstätten außergewöhnliche Fluggeräte aufstiegen. Hier erlebte der junge Twietmeyer die Testflüge der ersten Hubschrauber, die unter der Bezeichnung Fw 61 und später als Focke-Achgelis Fa 61, als erste gebrauchsfähige Hubschrauber bekannt wurden.
Das beindruckte den jungen Twietmeyer so sehr, dass er im Alter von 14 Jahren eine Ausbildung als Segelflieger begann. Es war mein damaliger Klassenlehrer, der meine Begeisterung für die Fliegerei entdeckte und diese als aktiver Segelflieger auch förderte, erinnert sich Johann Twietmeyer.
In der Rückschau sei es vormilitärische Ausbildung gewesen, aber wie hätte ein 14-jähriger, vom Fliegen faszinierter Junge, das richtig einschätzen sollen. Und wie hätte er einem Lockmittel, wie der Aussicht fliegen zu dürfen, wiederstehen können.
Somit blieb es nicht aus, dass der junge Twietmeyer schon mit 17 Jahren eingezogen wurde und eine Flugzeugführer Ausbildung absolvierte.
Twietmeyer war am Ende des Krieges in englische Kriegsgefangenschaft geraten und hier musste er aufgrund seiner landwirtschaftlichen Vorkenntnisse in den schottischen Highlands bei einem Farmer arbeiten.
Twietmeyer gehörte am Ende des 2. Weltkrieges zu den wenigen Glücklichen, die unter ständigem Einsatz ihres Lebens diese Zeit ohne schwerwiegende Folgen überlebt hatte.
Nach dem Krieg fand Twietmeyer zunächst nicht wieder ins Cockpit zurück, bis zu dem Tag im Jahre 1999, an dem ein allgemein nicht alltägliches, aber flugbetrieblich gesehen, ganz normales Zufallsereignis eintrat.

Ein Flugzeug ist in unmittelbarer Nähe abgestürzt

Der einstige Flieger aus Delmenhorst, derweil im 75. Lebensjahr, seit langer Zeit in neuer Heimat, dem Ammerland, niedergelassen, vernahm die Nachricht von einem Flugzeugabsturz auf seinem Maisfeld zunächst ungläubig. Bei näherer Besichtigung der „Absturzstelle“ reckte dann ein Segelflugzeug seinen erhobenen Tragflügel über die Sichtlinie der Hecke, und daneben stand Nelly Doden, die Pilotin des Segelflugzeugs aus Bohlenbergerfeld, der beim Heimflug die Thermik ausgegangen war.

Außenlandung Mai 1999 im Maisfeld. Auf dem Foto v.l.n.r.: Johann Twietmeyer, Nelly Doden, Hajo Twietmeyer. Archiv Twietmeyer Westerstede

Das Gespräch, das sich nun zwischen Nelly und dem inzwischen Ex-Segelflieger und Ex-Jagdflieger entwickelte, brachte ihn wieder zurück in die Welt des Fliegens aus Leidenschaft. Mit Freuden folgte er der Einladung Nellys nach Bohlenbergerfeld und absolvierte als Fluggast das komplette Segelkunstflugprogramm zur Wiedereinführung in die Welt des Segelfliegens ganz zum Erstaunen der gesamten bohlenbergerfelder Fliegerkameradschaft, die nach der Landung ein grünes Gesicht des Fluggastes erwartet hatte. Der nämlich bestellte sich und seinem Kunstflugpiloten zu deren Verblüffung nach seinem ersten Kunstflug nach 55 Jahren erst einmal ein Bier. Ganz bestimmt erzählte er dann aus seiner Zeit als aktiver Flieger und die Bohlenbergerfelder nahmen ihn herzlich in ihrem Kreise auf.
Twietmeyers nächster Weg führte ihn dann zum „Amt“. Seine Scheine, die er dort vorzeigte, seien nicht mehr gültig, stellten die Amtsträger fest und erklärten ihm wohl ein wenig mitleidig, wie man zu einem gültigen Luftfahrerschein gelangen könnte. Also führte ihn der weitere Weg zur Fliegerärztlichen Untersuchungsstelle, die nichts gegen sein Ansinnen, wieder Flugzeuge zu führen, einzuwenden hatte. Jetzt folgte für ihn zum zweiten Male das, was jeder Flieger gut oder weniger gut in der Erinnerung hat, nämlich die Schulung in allen Fächern und alle Prüfungen bis zum Erwerb des entsprechenden Scheins.
Im Alter von 75 Jahren erwarb Twietmeyer noch einmal den Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer und er flog anspruchsvoll bis zu seinem 88. Lebensjahr. Am Ende der fliegerischen Laufbahn als Segelflieger kamen noch einmal über 400 Starts sowie ein beeindruckender Sechsstunden-Flug in das Flugbuch des Fliegers Twietmeyer.

Auch heute noch ist nichts von der fliegerischen Leidenschaft erloschen. Vielleicht lässt uns der Text im Lied von Reinhard Mey: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste, alle Sorgen sagt man, blieben darunter verborgen und dann würde was uns groß und wichtig erscheint plötzlich nichtig und klein” teilhaben an Twietmeyers nie endender Leidenschaft vom Fliegen.

Für diese außergewöhnliche Passion wurde Johann Twietmeyer, nun im 92. Lebensjahr, mit der Auszeichnung zum 49. Kavalier der Lüfte in Vielstedt geehrt.

Fred Vosteen

 

https://www.nwzonline.de/oldenburg-kreis/lokalsport/johann-twietmeyer-zum-kavalier-der-luefte-gewaehlt_a_30,1,3009493352.html

 

 

 

 

2014 – Heinz-Dieter Bonsmann (Hennes)

Flugkapitän a.D. der Deutschen Lufthansa wird 48. „Kavalier der Lüfte”
Von Gerd Achgelis gestifteter Wanderpreis geht an Heinz-Dieter Bonsmann

Auf dem traditionellen Fliegerabend am zurückliegenden Freitag konnten Dr. med. Peter Krupp und Horst Rüdiger, („Kavalier der Lüfte” von 2013), rund 40 Piloten und Freunde des Luftsports im „Vielstedter Bauernhaus” in Hude begrüßen.

Nach Abschluss der Formalien folgte der bereits den Gästen angekündigte Vortrag von Flugkapitän a.D. der Deutschen Lufthansa Heinz-Dieter (Hennes) Bonsmann.

Foto: v.l.n.r.: Horst Rüdiger, Hennes Bonsmann und Dr. med. Peter Krupp (Vorsitzender Verleihungsausschuss) bei der Überreichung des Wanderpokals „Kavalier der Lüfte”. Foto: Fred Vosteen

Der heute 70-Jährige Heinz-Dieter Bonsmann (geb. am 20.02.44 in Prag) schilderte gleich zu Beginn seines Vortrags, wie prägend das erste Jugenderlebnis auf dem benachbarten Flugplatz Haan im Rheinland für ihn war. Es waren Kurierflugzeuge der RAF, die sein Interesse weckten und ihn auch fortan nicht mehr loslassen sollten.

Und so starte Bonsmann 1959 als Fünfzehnjähriger seine ersten Flugversuche auf einem Doppelraab Segelflugzeug. Weitere Starts und Landungen erfolgten auf den Typen Mü 13 E Bergfalke und Ka 8b. Schon nach kurzer Zeit konnte das geführte Flugbuch von Flugschüler Bonsmann stolze 60 Flugstunden und 310 Landungen aufweisen.

Nicht von allen wurde das Interesse geteilt, erinnert sich Bonsmann noch an die Bemerkung seines früheren Klassenlehrers, der sagte: „Sie sind der geborene Flieger, wenn ich sie sehe, gehe ich in die Luft”. Mehrmals stand die Bemerkung im Zeugnis: „Wenn Herr Bonsmann in der Schule genauso aktiv wäre wie in der Segelfliegerei, wäre die Versetzung nicht wieder gefährdet”.
Doch das Ziel für Hennes Bonsmann war gesteckt, er wollte Pilot werden. So ließ auch die Einladung zur Aufnahmeprüfung bei der Lufthansa nicht lange auf sich warten und am 18. 1. 1965 startete die langersehnte Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer an der Lufthansa-Flugschule in Bremen, mit den Außenstellen in Flensburg und Peine-Eddesse. Die Ausbildung erfolgte auf den Typen Chipmunk, Saab Safir, Beech Debonair sowie Twin Bonanza und mit stolzen 260 Flugstunden und über 945 Landungen stand der Karriere des zukünftigen Verkehrsflugzeugführers nichts mehr im Wege.

Hennes vor seinem Liebling, der Messerschmitt Me 108 B-1 „Taifun”, D-EBEI auf einem Flugtag in Lübeck (Die berühmte Fliegerin Elly Beinhorn, die mit diesem Flugzeugtyp zahlreiche legendäre Weltrekorde aufstellte, taufte die komplett restaurierte Maschine 1993 im Beisein von Hennes Bonsmann persönlich auf ihren Namen). Foto: Fred Vosteen

Für die Piloten und flugbegeisterten Gäste im Saal des „Vielstedter Bauernhauses” waren die Schilderungen des ehemaligen Flugkapitäns der Deutschen Lufthansa mehr als ein spannender Rückblick auf die anfängliche Verkehrsfliegerei in Deutschland. Was für Hennes Bonsmann im Cockpit einer Vickers Viscount, einer Boeing 707, einer Boeing 727 oder eines A 300 zum normalen und fliegerischer Alltag wurde, rief unter den Gästen Bewunderung, Staunen und auch große Anerkennung hervor.

Bonsmanns gelungener Ausflug in die Pionierzeit des Flugzeugbaus der Firma Junkers Flugzeugwerk AG war zugleich auch eine Lehrstunde aus dem Bilderbuch über die Entwicklungsgeschichte der legendären Ju 52. Rückblickend erinnert sich der Lufthansa Flugkapitän a.D. an die schönen Erlebnisse der ersten Landung mit der Ju 52 in Dessau am 6.3.1990 und in Tempelhof am 20.6.1991. Unvergessen und beeindruckend waren für Bonsmann ebenso die Rundflüge mit der Ju 52 über Manhattan und die Teilnahme an Airshows.
Von 1985 bis 2010 war Bonsmann Ausbilder, Prüfer und Flugbetriebsleiter der Ju 52 mit der Kennung D-AQUI und unvergessen für ihn ist fast jede der 2461 Flugstunden und 3861 Landungen.

Etwas Wehmut liegt in der Stimme von Hennes Bonsmann, als er seinen Vortrag mit dem Satz beschließt: „Nach 55 Jahren, im Alter von 70 Jahren, mit ca. 15.000 Flugstunden und ca. 14.000 Landungen, habe ich nun meine aktive Fliegerei (wie geplant) beendet und ich freue mich aber noch als begeisterter Mitflieger über jede Stunde im Cockpit”.

Horst Rüdiger sagte in seiner anschließenden Laudatio: „Seine Leidenschaft wurde zur Berufung und folglich dann zu seinem Beruf. Keinen anderen Beruf hätte er mit so viel Leidenschaft ausgeübt wie den des Flugzeugführers. Ganz spontan, ohne überlegen zu müssen, kam mir in den Sinn, wer der nächste Träger des Wanderpreises sein müsste”.

Rüdigers erste persönliche Begegung mit dem Designierten ergab sich bei einem Überprüfungsflug zur Erneuerung seiner Klassenberechtigung, die er mit den Worten schildert: „Hennes Bonsmann nahm die Aufgabe des Prüfers mit großer Gewissenhaftigkeit wahr und es war zu spüren, dass Sicherheit zu vermitteln, für ihn oberstes Gebot war. Er verstand es, wie selten erlebt, mit viel Fingerspitzengefühl bei mir das abzurufen, was ich zu leisten vermag. Für mich war es so motivierend, dass ich im fortgeschrittenen Alter mein MEP-Rating (Klassenberechtigung für mehrmotorige Flugzeuge) erneuern und noch einmal das gute Gefühl erleben konnte, das sich einstellt, wenn man eine Seminole, eine Twin Comanche oder eine Seneca weich und sauber auf die Piste setzt”.
„Und nun, geschuldet den diesmaligen Umständen, bleibt die Laudatio kurzgefasst, denn es wäre müßig den Kavalier der Lüfte 2014 weiter- und tiefergehend vorzustellen, denn Sie alle, die sie hier versammelt sind, haben ihn kennengelernt, wie er sich in ideeller Weise und für mich in gesundem patriotischen Sinne für den Erhalt von Klassikern der Fliegerei eingesetzt hat”.

 

http://www.klassiker-der-luftfahrt.de/geschichte/hennes-bonsmann-als-kavalier-der-luefte-ausgezeichnet/595424

 

 

 

 

 

 

1967 – Friedrich Jahn

Im Jahr 1967 Friedrich Jahn (* 16. 6. 1889 † 1991), seines Zeichens „Alter Adler“ zum 1. „Kavalier der Lüfte“ ausgezeichnet. Die Presse schreibt über Friedrich Jahn: „Von 1928 an war sein Name mit der Entwicklung der Fliegerei im Oldenburger Land verbunden. Mit 46 Jahren erwarb der passionierte Segelflieger auch den Motorflugschein. Friedrich Jahn war mehr als 60 Jahre der Fliegerei aktiv verbunden”.

Fliegerabend am 18.11.1967: Herr Verwaltungspräsident Eduard Haßkamp, rechts im Bild stehend, überreicht dem 1. „Kavalier der Lüfte“, Friedrich Jahn, die Auszeichnung. Foto: Archiv „Kavalier der Lüfte“.