2018 – Heiko Gesierich

Vom „Puffifahrer” zum Kavalier der Lüfte – Heiko Gesierich

Leidenschaftlicher Segelflieger und Vizepräsident des Deutschen Aero-Clubs Landesverband Niedersachsen zum 52. „Kavalier der Lüfte“ ernannt

Hude. Am zurückliegenden Freitag begrüßte Dr. med. Peter Krupp ca. 60 Piloten und Freunde der Fliegerei zum traditionellen Fliegerabend in Hude. Besondere Grüße gingen diesmal auch an anwesende Familienangehörige von Gerd Achgelis (Stifter des Wanderpreises), Günter Bertram vom DAC und an den 95-Jährigen Hans-Ulrich Gaserow, der eigens aus seinem Wohnort auf Mallorca angereist war.

Die Veranstaltung fand, wie schon im letzten Jahr, in Burgdorfs Hotel statt. Alljährlich wird im Rahmen dieser Veranstaltung eine Person, die sich in der Sportfliegerei verdient gemacht hat, mit der Ernennung zum „Kavalier der Lüfte“ geehrt. Dem jeweiligen Kavalier der Lüfte wird der vom berühmten Kunstflieger und Flugzeugbauingenieur Gerd Achgelis (*16. Juli 1908 in Golzwarden, † 18. Mai 1991 in Hude) gestiftete Wanderpreis „Huder Mönch“ überreicht.

Empfänger dieser in Fliegerkreisen geschätzten Auszeichnung ist in diesem Jahr Heiko Gesierich.

Kavalier der Lüfte - Hude - Luftsport - Tradition - Gerd Achgelis Preis

Heiko Gesierich, der frischgewählte Kavalier der Lüfte 2018 im Cockpit. Foto: Bianca Gesierich.

In seiner Laudatio erklärte Flugkapitän Norbert Lautner:
„Dem diesjährigen Kavalier der Lüfte wurde das Fliegen geradezu in die Wiege gelegt. Sein Vater, selbst ein passionierter Segelflieger, nahm ihn von Kleinkindesbeinen an immer wieder mit zur „Großen Höhe”, wo er den Segelflug als einen  selbstverständlichen Teil des Lebens betrachten lernte.

Schon als Vierjähriger saß er mit im Flugzeug und konnte es über die in der Jugend so endlos erscheinenden Jahre nicht erwarten, endlich selber die Hand an den Steuerknüppel zu bekommen. Schon seit dem 1. 3. 1978 ist er Mitglied im DAeC Landesverband Niedersachsen. Er fieberte seinem 14. Geburtstag entgegen, in dessen Anschluss er dann endlich mit der Segelflugausbildung beginnen konnte. So erwarb er zum frühestmöglichen Zeitpunkt den Luftfahrerschein für Segelflugzeug-führer und wurde mit jungen 22 Lebensjahren schon Fluglehrer für den Segelflug im Landesverband Niedersachsen.

Die Zeit bis zum ersehnten Beginn der Segelflugausbildung füllte er aus als sogenannter „Puffifahrer (1)“ und als Helfer in allen Bereichen des Segelflugbetriebes.

Seine Schulung hat Heiko Gesierich auf den Segelflugmodellen Ka8 und Ka6, die er sehr geliebt hat, vollbracht. (lt. Wikipedia: Die Ka 6, Erstflug im Jahr 1955; Produktionszeit von 1955–1970, insbesondere das Muster Ka 6E, stellt den Höhepunkt und das Ende in der Entwicklung von Segelflugzeugen in reiner Holzbauweise bei der Firma Schleicher dar. Sie wurde als einsitziges Hochleistungssegelflugzeug entwickelt und befindet sich noch immer im Einsatz. Die Ka 6 bekam den Beinamen Rhönsegler).
Unser Kavalier nahm an vielen Wettbewerben teil unter anderem in Österreich und Spanien. Zu den Leistungsflugzeugen, die von ihm dabei bewegt wurden, zählen der Phoebus, DG 100 und ganz besonders der Janus. Den Leistungssegelflug hat er mittlerweile für die Arbeit im DAeC Landesverband hintenangestellt, ist aber im Norden Niedersachsens weiterhin mit dem Reisemotorsegler viel unterwegs. Heiko Geseirich ist auf dem Segelfluggelände groß geworden und er ist ein leidenschaftlicher Segelflieger aber er schmäht nicht die Motorfliegerei und dementsprechend hat er auch die Lizenz für Motorsegler gemacht.
Neben den echten TMG (Touring Motor Glider) wie Samburo, Taifun und Dimona hat er auch Segelflugzeuge mit Hilfsantrieb wie PIK 2oE und DG 800 bewegt. Auf der „Küstenklatschwelle” war zu hören, dass er selbst die Bundeswehr mit seinen fliegerischen Künsten auf dem TMG begeistern konnte und sich als Obergefreiter damit Vorteile und Ansehen erarbeitete.“

 

Kavalier der Lüfte - Hude - Luftsport - Tradition - Gerd Achgelis Preis

Aufnahme: V.l.n.r. Heinz-Dieter Bonsmann, Norbert Lautner, Heiko Gesierich (Kavalier der Lüfte), Dr. med. Peter Krupp und Horst Rüdiger. Foto: Fred Vosteen

Und weiter in der Laudatio:
„Unermüdlich bringt sich der Kavalier der Lüfte 2018 im Rahmen der Verbandsarbeit in der Luftraumarbeit ein. Seit Ende des letzten Jahrtausends ist er der niedersächsische Vertreter im Luftraumausschuss. Seine Kontakte in die DFS (Deutsche Flugsicherung) Niederlassung Bremen sind sehr gut und belastbar. Das wird unterstrichen durch die im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Fluglehrerauffrischungsseminare, die in den Räumlichkeiten der DFS stattfinden. Mitglied der Segelflugkommission des LVN ist er gefühlt eine Ewigkeit. Bei der Beschaffung der Förderflugzeuge Discus 2b und neuerdings ASK 21 konnte er seine ganze berufliche Erfahrung als Vertriebsmann zum Wohle der Segelflieger einbringen.

Seit 2008 ist der heute 51-Jährige Heiko Gesierich zusätzlich Vizepräsident des Deutschen Aero Club LVN. Er begleitet und unterstützt die Präsidentin des LVN bei manchem schweren Gang in die Gremiensitzungen und hat sich dabei durch seine klare Sprache Gehör verschafft“.

Zum Höhepunkt des Abends bekam Heiko Gesierich die Silbertrophäe, in die sein Name eingraviert ist, als Wanderpreis überreicht. Zur Erinnerung an diese Ehrung erhielt er aus der Hand des „Kavaliers der Lüfte“ des Jahres 2014, Heinz-Dieter Bonsmann, der noch die legendäre Junkers JU 52 (Tante JU) eigenhändig geflogen hat, eine Junkers Uhr, Serie Cockpit JU 52, einen schönen Flieger-Chronographen mit der Inschrift „Kavalier der Lüfte 2018“.

Schon zur festen Tradition der Fliegertreffen zählen die Gastvorträge über Themen aus der Luftfahrt. An diesem Abend referierte der Historiker und Gastreferent Karl-Heinz Knief über „Geheime Rüstungsprojekte der Fa. Focke-Achgelis-Werke in den Jahren 1939-1945 an Produktionsstandorten in Norddeutschland. Karl-Heinz Knief hat in seinem Vortrag anhand von zahlreichen Dokumenten, Bildern und Protokollen von Zeitzeugenaussagen Projekte aus dem Bereich Raketentechnik sowie Hubschrauber-Entwicklung erläutert. Knief, der seine Nachforschungen weiter fortsetzen möchte, sagt bereits heute, dass in Delmenhorst Luftfahrtgeschichte geschrieben wurde.

(1) (Der „Puffifahrer“ schleppt mit einem Fahrzeug Segelflugzeuge am Boden zum oder vom Einsatz, zieht das Windenseil aus und übernimmt Boten- und Fahrdienste jeglicher erforderlicher Art im laufenden Segelflugbetrieb).