2021 – Rainer Pfeil

v.l.n.r.: Norbert Lautner, Harald Rossol, Rainer Pfeil und Horst Rüdiger. Foto: Fred Vosteen


Eingebettet in diesem Artikel sind Interviews mit Radio 90vier


Ganderkesee, 22. Oktober 2021

Am zurückliegenden Freitag konnte Dr. med. Peter Krupp, Sprecher des Verleihungsausschusses „Kavalier der Lüfte” im Airfield Hotel & Restaurant auf dem Flugplatz in Ganderkesee 50 Flieger und luftfahrtinteressierte Gäste begrüßen.


KdL-Organisationsteam: Horst Rüdiger:


Alljährlich wird im Rahmen eines traditionellen Fliegerabends eine Person, die sich in der Fliegerei verdient gemacht hat, mit der Ernennung zum „Kavalier der Lüfte“ geehrt. Dem jeweiligen Kavalier der Lüfte wird der vom berühmten Kunstflieger und Flugzeugbauingenieur Gerd Achgelis (*16. Juli 1908 in Golzwarden, † 18. Mai 1991 in Hude) gestiftete Wanderpreis „Huder Mönch“ überreicht.

Einen Ausflug in die Geschichte der Fliegerei mit Luftfahrtexperte und Historiker Manfred Lehde

Für den Verleihungsausschuss ist es eine lange Tradition, dass dieses gesellschaftliche Ereignis mit einem Vortrag aus dem Thema der Luftfahrt begleitet wird.

Für den diesjährigen Fliegerabend hatten Dr. med. Peter Krupp, Heiko Gesierich, Norbert Lautner und Horst Rüdiger den Luftfahrtexperten Manfred Lehde gewinnen können. Manfred Lehde hatte seinen Vortrag unter dem Titel: „Ernst, Hans und Frank haben eine Idee – Eine epochale Entwicklung nimmt ihren Lauf” angekündigt und er beginnt einleitend mit den Worten: „Wir gehen 80 Jahre zurück zu einem Meilenstein in der Beschleunigung unserer Lebensabläufe. Drei Personen haben jedoch hier mit ihrer Idee unser heutiges Leben entscheidend geprägt, sagt Manfred Lehde“.

Gemeint sind Ernst Heinrich Heinkel (*24. Januar 1888 in Grunbach, † 30. Januar 1958 in Stuttgart), Hans Joachim Pabst von Ohain (*14. Dezember 1911 in Dessau, † 13. März 1998 in Melbourne) und Sir Frank Whittle (*1.Juni 1907 in Coventry, † 9. August 1996 in Columbia).


KdL-Organisationsteam: Dr. Med. Peter Krupp und Flugkapitän Norbert Lautner:


In seinem eindrucksvollen Vortrag, mit historischen Film und Tondokumenten unterlegt, zeigt Manfred Lehde die Entwicklung der Fliegerei auf. Sein Vortrag führt in das Jahr 1912 zum ersten deutschen Seeflugwettbewerb in Heiligendamm, über Ernst Heinkel, der von der Idee besessen ist, ein Hochgeschwindigkeitsflugzeug zu entwickeln. Im Jahre 1932 entwickelte Heinkel im Auftrag der Deutschen Lufthansa die He 70, das mit Abstand schnellste Passagierflugzeug seiner Zeit. Ernst Heinkel ist besessen von der Idee, Hochgeschwindigkeitsflugzeuge zu entwickeln. Deshalb spendet er Wernher von Braun einige seiner Flugzeuge, damit von Braun an diesen seinen neuartigen Raketenantrieb erproben kann. 1938 wird mit der He 176 das erste mit Flüssigtreibstoff betriebene Raketenflugzeug der Welt getestet.

Nicht weit ist der Weg zu dem Physiker Hans Joachim Pabst von Ohain, der sich 1934 theoretisch für eine neue propellerlose Antriebsart für Flugzeuge zu interessieren und auf eigene Kosten zu experimentieren beginnt. Im Jahr 1936 meldet er auf seine Triebwerks-Grundideen Verdichter, Brennkammer, Turbine und Schubdüse das Patent „Verfahren und Apparat zur Herstellung von Luftströmungen zum Antrieb von Flugzeugen“ an.

In Hans von Ohain findet Heinkel den richtigen Visionär, denn sie teilten beide die gleiche Leidenschaft. Heinkel stellt von Ohain als Chefingenieur in seinen Werken an und dieser entwickelt mit seinem Team das Heinkel HeS 3, das erste Strahltriebwerk der Welt.
Am 27. August 1939 startete das erste Strahlflugzeug der Heinkel Flugzeugwerke, die He 178, auf dem Flughafen Rostock-Marienehe.


Vortragender Luftfahrtexperte und Historiker Manfred Lehde:


In seinem weiteren Vortrag stellt Manfred Lehde seinen Gästen Sir Frank Whittle vor. Whittle geht im Jahre 1923 zur Royal Air Force (RAF) und macht 1926 eine Pilotenausbildung an der RAF-Fliegerschule in RAF Cranwell.

Aufsehen erregt im Jahre 1928 der Bericht im College-Journal „Die Zukunftsversion eines Flugzeugantriebes“. Whittle schlägt ein Triebwerk vor, das die Luft ansaugt, diese aufheizt und mit hoher Geschwindigkeit durch eine Düse ausströmen lässt. Das Luftfahrtministerium wird auf das Projekt aufmerksam und fördert es mit £ 6000. Im Jahre 1938 findet ein zufriedenstellender Testlauf statt. 1939 ordnet das Luftfahrtministerium den Bau eines strahlgetriebenen Flugzeuges an, bei dem Whittles Firma das Triebwerk und Gloster die Zelle liefert. Im Jahre 1941 findet der Erstflug der Gloster E.28/39 statt, 21 Monate nach der deutschen Heinkel He 178.

Dieser Fliegerabend findet bei Piloten und Fluginteressierten auch im 55. Jahr nach seiner Gründung ungebrochen großes Interesse und zählt, auch weit über die Landesgrenzen hinaus, größte Anerkennung. Den vollständigen Vortrag können sie auf der Internetseite www.kavalier-der-luefte.de nachlesen.

Anwesende ehemalige „Kavaliere der Lüfte” auf dem Fliegerabend am 22. Oktober 2021 in Ganderkesee. V.l.n.r.: Dr. Peter Krupp, Klaus Kranzusch, Klaus Höhne, Heiko Gesierich, Harald Rossol, Didi Kraus, Horst Rüdiger, Norbert Lautner.

KdL-Organisationsteam:Harald Rossol:


Die Verleihung des Wanderpreises „Huder Mönch”

In seiner Laudatio stellte der letztjährige „Kavalier der Lüfte” Harald Rossol den neuen „Kavalier der Lüfte” 2021 vor.

Rossol sagte: „Für die hohe Auszeichnung „Kavalier der Lüfte” war in diesem Jahr Rainer Pfeil aus einer großen Vorschlagsliste ausgewählt worden. Aus gesundheitlichen Gründen konnte dem neuernannten Kavalier der Lüfte, Rainer Pfeil, der Titel, der Silberteller und die goldene Fliegerspange erst einen Tag später auf dem Flugplatz in Diepholz überreicht werden”.

Weiter sagte Rossol: „Rainer Pfeil wurde am 19. September 1951 auf einem Bauernhof in Darlaten im „Großen Moor” (Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen) geboren. Nach dem Schulbesuch suchte Pfeil seine berufliche Zukunft in der Landwirtschaft und wurde hier staatlich geprüfter Wirtschafter. Nach einer Ausbildung zum Betriebsschlosser und zum Ausbildungseignungsprüfer begleitete er viele junge Menschen auf ihrem Weg in den Metallberuf.

Rainer Pfeil erinnert sich, dass sein Traum vom Fliegen bereits in der frühen Jugend geweckt wurde. Immer dann, wenn am Himmel etwas brummte, reckte er seinen Kopf in die Höhe und so erhielt er alsbald den Spitznamen „Hans guck in die Luft”. Fast 17 Jahre mussten für Rainer Pfeil vergehen, bis er das erste Mal in die Luft durfte. Es war im Jahr 1968 in Celle-Wietzenbruch und der Mitflug fand in einer Alouette II der Bundeswehr statt. In Erinnerung geblieben ist, dass dieser erste Flug sich so ähnlich anfühlte, als ob ein Fahrstuhl ins Schlingern gerät.


Preisträger 2021 Pilot und Flugleiter Reiner Pfeil:


Mit dem Virus vom Fliegen infiziert

Ein Bericht im Fernsehen über einen reinen „Mädchen-Segelfluglehrgang” in Hirzenhain, Kreis Dillenburg, erweckte Pfeils Aufmerksamkeit. Ein zweieinhalb Wochenlehrgang für 200 DM, mit Vollpension und Bahnfahrkarte, war von dem ersparten Guthaben Pfeils gerade einmal leistbar.

Die Überraschung war groß, denn kein Mädchen stand auf der Anmeldeliste und so wurde es ein reiner Jungen-Lehrgang.
Schon sehr bald, am 17. Geburtstag, startete Rainer Pfeil mit seinem Fluglehrer zum Erstflug. Viele weitere Flüge folgten und so wurde in den folgenden drei Jahren Hirzenhain zur fliegerischen Heimat.

Der erste Alleinflug für Flugschüler Pfeil

Es ist der Augenblick, den kein Flieger in seinem Leben vergisst. Pfeil erinnert sich noch sehr genau an den Tag, als er hinter dem Steuerknüppel der Schulmaschine, einer ASK 13, das erste Mal in die Luft durfte.
Die Schleicher ASK 13 ist ein doppelsitziges Segelflugzeug in Gemischtbauweise als Mitteldeckerausführung mit Kreuzleitwerk für Schulung und für Leistungsflugtraining.

Sein Fluglehrer war Horst Frank, ein ehemaliger Do 27 Pilot der Bundeswehr. Es folgten unvergessene Zeiten in Hirzenhain und Bottenhorn, unserem Segelflieger-Ausweichplatz
ganz in der Nähe, schwärmt auch heute noch Rainer Pfeil.
Wo es andere Menschen an sonnige Badestrände zieht, nutzte Rainer Pfeil seinen Urlaub für Fliegerfreizeiten.

Dieses Traum-Urlaubsziel fand er in seiner Nähe, auf dem Bundeswehr Flugplatz Diepholz, ICAO-Code ETND, der bis heute seine fliegerische Heimat wurde.
Die Geschichte des Flugplatzes, südwestlich der Willenberger Marsch, begann bereits im Jahr 1934. Zu Kriegsbeginn bis 1940 waren hier das II./Kampfgeschwader 4 mit Heinkel He 111 und die Luftflotten-Nachrichtenschule 2 stationiert.

Britische Truppen besetzten den Flugplatz am 6. April 1945. Im Jahr 1956 erfolgte die Reaktivierung des Flugplatzes durch die Bundeswehr.

Viele Jahre später, im Jahr 2000, erfolgte die Gründung der Flugplatz Diepholz-Dümmerland GmbH & Co KG und die Errichtung des zivilen Betriebsbereichs mit eigenem Tower. Die Bedingungen auf dem Platz waren optimal, weil er mit einer Start- und Landebahn von 1.283 m Länge die besten Voraussetzungen für die Fliegerei bot. Zugelassen ist er für Luftfahrzeuge bis 5.700 kg. Die weitere Ausbildung, fortan mit motorangetriebenen Flugzeugen, erfolgte für Pfeil erstmals auf einer Cessna C150. Die Entfernungen der Flugziele wurden immer weiter und auch die geflogenen Flugzeugmuster wurden immer größer.

Neben seiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit sowie der Hobby-Fliegerei überwacht Rainer Pfeil als Flugleiter auf dem Flugplatz Diepholz (ETND) im Tower alle Flugbewegungen. Seit seinem 70. Geburtstag übernimmt Rainer Pfeil diese Aufgaben nur noch vertretungsweise war“.

Die historische Fliegerei:

Rainer Pfeil sagt: „Zu meiner ganz großen Leidenschaft hat sich bei mir in den letzten 20 Jahren das Thema der historischen Luftfahrt entwickelt”. In den folgenden Jahren entstand so ein wertvolles Archiv historischer Flugzeugteile und ebenso eine Sammlung seltener historischer Ausbildungs- und Lehrfilme. Auf meinen jährlichen historischen Flieger-Events präsentiere ich Historikern und den Freunden der Fliegerei diese Schätze, sagt Rainer Pfeil.

Bei seinem Rückblick betont Pfeil, dass in den Jahrzehnten der Fliegerei viele Freundschaften entstanden sind und er sagt abschließend: „Nach über fünfzig Jahren in der Fliegerei und der historischen Luftfahrt blicke ich ab und zu zurück und denke, es war eine gute Zeit”.

Norbert Lautner, Kavalier der Lüfte 2016, berichtet: „Vorgeschlagen zur Ehrung haben wir unseren neuen „Kavalier der Lüfte” Rainer Pfeil besonders aber wegen seiner Liebe zur Fliegerei, wegen seiner Kameradschaftlichkeit und viel mehr noch seinem unermüdlichen, vielseitigen Bemühen zahlreiche Menschen mit seiner jährlichen Ausstellung rund um die historische Fliegerei zu begeistern. Die von Rainer Pfeil organisierten Treffen haben sich weit über die Landesgrenzen hinaus herumgesprochen und die jährlichen Treffen in Diepholz haben sich zum Mekka rund um die historische Fliegerei entwickelt.

In den von Gerd Achgelis aufgestellten Statuten steht zu lesen: „Dieser Preis wird gestiftet, um die fliegerische Moral und Disziplin zu fördern und zu erhalten”… „ Die für die Ehrung in Aussicht genommene Persönlichkeit soll charakterlich und kameradschaftlich qualifiziert sein”.

Unser neuer Kavalier der Lüfte zeichnet sich aktuell als Organisator zahlreicher historischer Ausstellungen und Fliegertreffen aus, sagen Norbert Lautner, Dr. med. Peter Krupp, Heiko Gesierich und Horst Rüdiger vom Verleihungsausschuss.

Mit der Ernennung zum Kavalier der Lüfte überreichten Norbert Lautner, Horst Rüdiger, Harald Rossol und Horst Rüdiger auf dem Flugplatz Diepholz die Fliegerspange in Gold und den traditionellen Silberteller an Rainer Pfeil.

Öffentlichkeitsarbeit Kavalier der Lüfte:
Fred Vosteen, 24. 10. 2021
fred.vosteen@ewetel.net
Tel. 0441 602 999